Hearts of Midlothian

Hearts of Midlothian - Schalke 04 0:1


Wir sind Mittwoch abend ab "Frankfurt"-Hahn zu fuenft aufgebrochen. Der Flieger ging aber nicht nach Edinburgh, sondern nach Glasgow. Von der Liste wussten wir, dass ausser uns noch eine Gruppe von 11 Schalkern mitfliegen wuerde. Ein Tipp, wieviele Schalker an Bord sein würden lautete dann mindestens 20, was auch irgendwie stimmte: Es war weit über die Haelfte der Passagiere, jedenfalls ueber 20. :-)
Darunter wie immer solche und solche. Zwei besonders lustige Exemplare hatten als "Handgepaeck" eine Kiste Krombacher, und einen Karton Billig-Rosé, die Klamotten wurden in einem Muellsack aufgegeben.
Ich hatte eindeutig 7-8 Bier zu wenig im Kopf, um's lustig zu finden. :-))



Stadtmitte Edinburgh

Der Flug verlief weitgehend stoerungsfrei, nachdem eine wirklich nette Stewardess drohte, dass "offgeloaded" wird, wer sich daneben benimmt. Da diese Wortschoepfung etwas sehr bedrohliches ausstrahlte, verfehlte sie ihre Wirkung nicht gaenzlich.
Nur die Krombacher-Trinker blieben relativ unbeeindruckt und sangen weiter froehliche Lieder, die man mit etwas Fantasie als waschechte Schalkelieder erkennen konnte. In Glasgow angekommen verlief sich der Maekt ziemlich schnell,
weil die Meisten noch den Zug nach Edinburgh erwischen mussten. Unsere Begleiter hatten indes schon von Deutschland aus einen Mietwagen bestellt, sodass wir relativ sorglos (abgesehen vom Linksverkehr) bleiben konnten. Bald war ausser uns nur noch die Krombacher-Fraktion anwesend, die von Zeit zu Zeit die unbeteiligten Schotten mit "Come on Scotland" daran erinnerte, dass Schalke im Land war.
Die Jonges machten irgendwie den Eindruck, als waere ihre Reiseplanung mit der Ankunft in Glasgow zu Ende gewesen und ich malte mir aus, wie es sich im schottischen Herbst auf Parkbaenken oder unter Bruecken (an die Bahnhofsmission habe ich gar nicht gedacht) schlaeft.



Treffpunkt bei "Marco's"

Gegen 23 Uhr waren wir dann in Edinburgh in unserem selbst ausgesuchten Hotel, das ueber eine Bar verfuegte in der a.) schon etliche Schalker zugange waren und b.) proppevoll mit jungen, huebschen gutgelaunten Menschen war.
Der Preis fuer's Bier (ca. 4 Euro fuer's Pint) tat unserer Freude nur 3 Sekunden einen Abbruch. Nach einer trotzdem ruhigen Nacht und brauchbarem Fruehstueck machten wir uns auf, die touristischen Ziele der Stadt zu erkunden.
Gleich vorweg: Ich habe noch keine Stadt gesehen, die mich auf Anhieb so beeindruckt hat. Eine Sehenswuerdigkeit neben der anderen. Am Beeindruckendsten sicherlich die Burg auf einem schroffen Felsen. Und ca. alle 30 Sekunden traf man auf Schalker, erstaunlicherweise auch die Freunde des gepflegten Pilses, die aussahen, wie das bluehende Leben. Hoechst erstaunlich.



Treffpunkt bei "Marco's"

Die einheimische Bevoelkerung war von einer herzlichen Freundlichkeit, wie ich es eigentlich noch nirgendwo erlebt habe. Man musste nur unsicher schauen, schon wurde einem geholfen. Das alles ohne jegliche Aufdringlichkeit.



Fahnen im Schalke-Block

Naechster Anlaufpunkt war dann die vom SFCV angemietete Bar, die Platz fuer 1000 Schalker bot, leider aber nur von wenigen aufgesucht wurde. Kein Wunder eigentlich, lag sie doch etwas abseits und gab es an allen Ecken Pubs, Bars, Restaurants.
Nach 2 mehr oder weniger verschwendeten Stunden machten wir uns dann mit Bekannten, die mit Auto und Bus gekommen waren, auf etwas besseres zu finden. So kamen wir nach kurzem an einem von aussen wunderschoenen Pub vorbei, den wir gleich enterten und der proppevoll war. Zum allergroessten Teil Schalker, aber auch die ertsen erkennbaren Hearts-Anhaenger.
Die Stimmung war ausgelassen, freundlich, einfach sehr angenehm. So verging die Zeit im Flug und wir machten uns zum 10 Gehminuten entfernten Murrayfield-Rugbystadion auf. Nochmal ein Abstecher in eine Hotel, dessen Garten, Flure, Bar und Restaurant auch zum Schalke-Treff umfunktioniert waren und es wurden die letzten Meter absolviert.

Leider mussten wir noch etwa 45 Minuten in Kaelte und Wind ausharren, bis die Stadiontore geoeffnet wurden. Da ich aber Anne und Detto getrof fen hatte wurde es ueberhaupt nicht langweilig. :-)
Als die Tore geoeffnet wurden ging ein Sturm los, der doch sehr an einen Angriff der Gallier auf Klein-Bonum erinnerte. Hunderte von Leuten hat ten ihre Fanclubfahnen dabei und wollte dafuer die besten Plaetze ergattern.



Schalke-Block

So kamen die ersten ein-zweihundert Schalker vollkommen unkontrolliert ins Stadion. Lediglich an einem Kartenhaeuschen musste man die Karte vorzeigen. Ob sich der Aufwand gelohnt hat, werde ich mir nachher auf Video anschauen. :-)



Ein paar Fans...

Wie ich es von Arsenal kannte, fuellte sich das Stadion erst unmittelbar vor dem Anpfiff. Da die Hearts erst zum zweiten Mal in diesem Stadion spielten, gab es natuerlich keine bestimmten Bloecke, die die Unterstuet zung ankurbelten. Trotzdem dauerte es nicht allzu lange, bis ein brauch barer Support zu Stande kam. Weiss nicht, ob's bei der Uebertragung rueberkam, aber ein "Stand up, if you hate England" aus unserem Block brachte tatsaechlich einen grossen Teil der Schotten zum Aufstehen. Mit Speck faengt man Maeuse... :-)



Schalke-Block (Bild: www.schalke04.de)

Jedenfalls gab es keinerlei Spottgesaenge gegen die Hearts und ebenso wenig gegen den Verein von den Abhaengen des Sauerlandes. Stimmung und Support kamen von den Ultras, aber auch aus dem hinteren Bereich unseres Blockes. Insgesamt eine ansprechende Leistung IMO.



Tynecastle Stadium von aussen

Das Spiel selbst habe ich fuer meinen Teil relativ unaufgeregt verfolgt, was nach den letzten Buli-Spielen (ausser beim Glubb) eine wahre Wohltat fuer's strapazierte Herz war.



Tynecastle Stadium innen

Nicht verstanden habe ich, dass wenige Minuten nach dem Spiel unser ganzer Block leer war. Es war im Stadion laengst nicht so zugig wie ausserhalb, niemand musste schnell zum Auto, weil er am naechsten Tag zur Arbeit muss, oder Sportschau kucken, oder auf Schwiegermutters Goldne Hochzeit, oder oder...

Wir also wieder zu nahem Hotel, wo inzwischen die Gesellschaft gemischt war. Es gab aber kein boeses Wort, keinen boesen Blick,sondern weiterhin nur freundliche Schotten, deren einziges Manko war, dass man sie (teilweise) auch mit brauchbaren Englischkenntnissen kaum verstand.



Tynecastle Stadium innen

Am Freitag haben wir dann noch einen Abstecher ins Tynecastle-Stadion gemacht, ein wahrlich historisches britisches Fussballstadion, das 1874 erbaut wurde. Es war offen und so hielten wir uns laengere Zeit auf. Wir wussten, dass in diesem Stadion nicht gespielt wurde, weil der Platz 2 Meter zu kurz ist, der ueberaus freundliche Platzwart ("get off the lawn") erklaerte uns aber, dass nicht der Platz zu kurz, sondern der Abstand zwischen Torauslinie und Bande zu gering ist und die UEFA daher keine internationalen Spiel mehr in diesem Stadion genehmigt. Verstaendlich einerseits, scheinen bei einem harten Zweikampf an der Linie die Zuschauer bis in Reihe 5 extrem gefaehrdet. Schade andererseits, ist uns doch garantierte Gaensehautstimmung entgangen. Wir waren uns aber einig, dass es fuer unsere Blauen wes entlich schwerer geworden waere zu gewinnen.

Nach einem abermals unspektakulaeren Flug sind wir dann kurz vor Mitternacht wieder im Niemandsland von Hahn gelandet und waren uns sicher Edinburgh nicht zum letzten Mal besucht zu haben.

Claus Lamnek