Wintertrainingslager Belek 2000

Zu nachtschlafender Stunde geht`s mal wieder los. 06.00 Uhr und das sonntags, genau wie vor 2 Jahren. Ich muß jedoch gestehen, vor 2 Jahren fuhren wir in wesentlich euphorischerer Stimmung gen Mittelmeer. Die letzten Monate waren doch emotional eher ziemlich abtörnend. Jeder weiß, was gemeint ist. So jetteten wir also mit neben den unbedingt zur Ausrüstung eines globetrottenden Fußballfans gehörenden überlebenswichtigen Utensilien wie Fan-Club-Fahne, Schal und Trikot auch mit Sommerklamotten und Vorurteilen gegenüber Thorsten Legat im Gepäck nach Belek. Wie sich später herausstellen sollte war beides überflüssig wie ein Kropf. Spätnachmittag erreichten wir das Hotel „Sirene“, in dem auch die Mannschaft 2 Tage später Quartier bezog und zeitgleich Feyenoord Rotterdam, Sturm Graz, Hertha-Amateure und ein paar unbekanntere Teams ihr Trainingslager durchführten. Etwas verwundert stellten wir fest, daß im und am Hotel keinerlei Spuren von Schalke-Fans zu sehen waren, ganz im Gegensatz zu 2 Jahren vorher. Später erfuhren wir, daß im Mannschaftshotel insgesamt nur 5 Schalke-Fans wohnen und die restlichen 115 Fans sich aus All-inclusive-Gründen( na denn „Prost“) sich für das Nachbarhotel (ca. 15 Min. Fußweg)entschieden haben.

Anfangs waren wir enttäuscht, später jedoch entpuppte sich dies als echter Vorteil, da die Mannschaft doch wesentlich mehr Ruhe hatte und einzelne Spieler dadurch richtig kontaktfreudig wurden.Die ersten zwei „mannschaftslosen Tage“ wurden mit wichtigen Einkäufen (u.a. von wie uns der Verkäufer versicherte „original Versace“-Pullovern für DM 40,-(grins) u.ä.)verbracht.         



"Hauptquartier im Manschaftshotel"

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde die Mannschaft erwartet. Selbstverständlich bildeten wir ein jubelndes Empfangskomitee, welches dann aber im Endeffekt nur noch aus Alex bestand, da die Mannschaft durch die Türkei-übliche Verspätung erst gegen 03.00 Uhr morgens zusammen mit Feyenoord eintraf. Wohl durch diesen begeisterten Empfang überwältigt bekamen die Spieler Mittwochmorgen erstmal trainingsfrei. Nachmittags konnten wir uns dann beim Training ein erstes Bild unserer Neueinkäufe und der Stimmungslage machen. Dazu sei angemerkt, daß Huub und Assi in den ersten Tagen einen sehr angespannten Eindruck machten. Einer allerdings sollte uns in den kommenden Tagen doch immer mehr überraschen: Thorsten Legat. Sowohl in sportlicher, als auch in menschlicher Hinsicht. Er zeigte sich ausgesprochen umgänglich und gab sich sichtlich Mühe im Umgang mit den Fans. Sicherlich ist er sich bewußt, daß er, um diese letzte Chance nutzen zu können, überall Pluspunkte sammeln muß, allerdings hatten wir nie den Eindruck, daß es künstlich oder aufgesetzt war. Sportlich fiel er im Training besonders durch seine wuchtig geschlagenen Eckbälle auf.      
Im Spiel gegen Lüdenscheid fand er dann nach den ersten unsicheren 10 Minuten immer besser ins Spiel und konnte jeden dort überzeugen(trotz fehlender Spielpraxis). Das Spiel selber hatte einen wirklich hohen Unterhaltungswert, sowohl sportlich als auch zuschauermäßig. Es war wirklich saukalt( -1C°), aber soviel habe ich schon lange nicht mehr bei einem Spiel gelacht.        



3:1 für Schalke

Von Lüdenscheid-Fans war weit und breit außer 3 gelb-schwarz gekleideten Mädels und 2 ziemlich assigen Glatzen von Inferno-Hamm(grins) nichts zu sehen. Im Stehplatz-Bereich hinterm Tor gab es noch eine kleinere Ansammlung von Fans gemischt aus Antalya-Spor und Sachsen Leipzig Anhängern, die mit ihrer ausgefallen Choreographie für weitere Zwerchfellattaken sorgten.      
Die 120 Schalke Fans saßen auf der Haupttribüne. Einer der Mitgereisten fungierte als blockinterner Stadionsprecher(ausgesprochen professionell) und als Sahnehäubchen
gesellte sich der verletzte Andy „Heulsuse“ Möller noch auf die Haupttribüne (ca. 5 Meter über uns), was noch zusätzlich für Stimmung sorgte. Neben tagesaktuellen
Gesängen (“Ihr habt die Trikotpest“) wurden auch altbewährte Klassiker („Heulsuse Möller“) zum Besten gegeben. Alles in allem ein rundherum gelungener
Fußballabend, garniert mit dem passendem Ergebnis.          



VIP-Loge

Freitag und Samstag war Trainingslageralltag bei dem besonders der Meister(Jiri) beim Fußballtennis durch Kampfeswille und Einsatz auffiel(grins)und Samstagabend fand der schon traditionelle Blau-Weiße Abend statt. Alle mitgereisten Fans waren ins Sirene gekommen, Schalke spendierte das Bier und alle Spieler und Funktionäre mischten sich unters Volk und standen Rede und Antwort. Man erfuhr dabei auch einiges Internes, über das ich an dieser Stelle lieber nichts rauslasse, da solche Geschichten recht gut in die z.Zt. laufende Kampagne einer führenden deutschen Boulevard-Zeitung passen würde.
Ich persönlich hatte auch Gelegenheit ein Gespräch mit dem mitgereisten Reporter dieses Blattes zu führen. Ein weiteres Argument dafür, diese Zeitung auch weiterhin nicht zu kaufen. Schade nur, daß soviele Menschen glauben, was sie dort lesen.



Der Blau-Weiße Abend ging zu Ende und wir entschlossen durchzumachen, da wir Samstagnacht um 03.00 Uhr!! zum Flughafen gebracht wurden.
Die Zeit verging wieder wie im Fluge, aber wir waren uns einig: auch beim nächsten
Trainingslager sind wir wieder dabei.

Prian