S04 - HSV/Sportschule Ingo Anderbrügge PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Freitag, den 23. April 2010 um 12:13 Uhr

Freitag, 27. August 1999, 13.30 :
Stefan holt mich in Walldorf ab. Nach der Präparierung des Schalke-Autoschals geht’s auf die A 5 : nur noch 360 km bis Gelsenkirchen ! Nach flüssiger Fahrt auf der A 3 kommen wir gegen 17 Uhr, ca.10 km vorm Parkstadion in einen gigantischen Stau. Vorzeichen für das Spiel ? Vor uns fährt ein LKW mit GE, aber mit einem BVB Aufkleber. Unvorstellbar ! Stefan gibt Gas und der Daumen geht ganz klar nach unten. Gegen 18 Uhr suchen wir in der Nähe des Busparkplatzes einen Ruheplatz für unser tapferes Vehikel.
Ein Privatier steht demonstrativ vor seinem Terrain und verwehrt uns die Einfahrt. Wir bezirzen ihn mit einer Büchse Veltins und dem Hinweis, daß wir Schalker doch zusammenhalten müssen. Im Nu geht die Schranke hoch und wir haben nur noch 5 Minuten bis zur Nordkurve. Unter der Brücke vorm Fanshop steht’s geschrieben : „Wir wollen Ingo“. Wie wahr, wie wahr.
Gegen 18.15 Uhr hängen wir die Fahne unseres Fanclubs IRON BLUE HEIDELBERG in der Nordkurve auf. Da es für Stefan und mich die „jungfräuliche“ Hissung ist, sind wir schon etwas nervös, zumal unser Präses Michael sehr viel Wert auf das akkurate Plazieren unserer Fahne legt. Ein Anruf um 18.30 Uhr meldet ihm Vollzug und er kann sich nun beruhigt in seinen Sessel zurücklehnen und Premiere schauen. Leider sieht er auch nichts anderes als wir im Block 5.
Wie sooft beginnen wir bärenstark und lassen stark nach. Die Hamburger sind keinesfalls überragend, nein, die sind einfach cleverer und effizienter als wir.Unser Start ist beeindruckend, aber wir machen den Sack nicht zu. Trotz des Tores kurz vor der Halbzeit darf unsere Mannschaft in der zweiten Hälfte nicht so einbrechen. Die Chance von Gerald sowie der Elfer von Youri runden das Bild ab, das war Himmel + Hölle. Wenn wir über außen kommen sind wir stark, aber in den zweiten 45 Minuten sind die Außenbahnen zu, alles durch die Mitte. Gerade ein Mann wie Ebbe Sand ist auf Flanken angewiesen. Wenn wir so weitermachen wie wir gegen den HSV angefangen haben ist mir vor der Zukunft nicht bange. Vergessen sollten wir aber nicht, daß die Tore zwar hinten verhindert werden, geschossen werden sie aber immer noch vorne. Unsere Abwehr ist momentan nicht das Prunkstück vergangener Tage, deshalb sollten wir weiterhin unser Heil in der Offensive suchen, denn irgendwann platzt der Knoten.      

21.45 Uhr : nicht wir sind Tabellenführer, sondern der HSV ! Der Frust sitzt tief, aber wir haben ja noch
ein As im Ärmel. Nach dem Spiel treffen wir uns im „Schalker“ mit den Fanclubs aus Schwaben und Bodensee sowie Arthur Saager, der die Übernachtung bzw. die Talkrunde mit Ingo Anderbrügge in dessen Fußballschule in Marl organisiert hat.
Gegen 01.00 Uhr kommen wir in Marl-Sinsen an. Noch einige Trost-Veltins, dann wird kurz geruht.

Nach dem Frühstück geht’s zurück ins Parkstadion, um die Mannschaft beim Training bzw. Auslaufen zu beobachten. Die Stimmung ist zwar etwas gedrückt, aber die Atmosphäre und das Erscheinungsbild der Anlage (Trainingsplatz, Kneipe, Leistungszentrum, Geschäftsstelle, Fan-Shop) im Rücken des Parkstadions ist schon beeindruckend.
Autogramm- und Bildjäger müssen sich bis nach dem Training gedulden, denn PR-Maßnahmen im Trainingsanzug mag Huub nicht so sehr. Nach dem Studium der „Buerschen Zeitung“, die ebenfalls von einem HSV-Sieg schreibt, fahren wir zurück nach Marl. Einige Freunde aus dem Süden verlassen uns und nehmen spontan im „Schalker“ an den westfälischen Johnny-Walker-Meisterschaften teil.

Nach dem Mittagessen und einigen Runden Beach-Soccer kommt Ingo. Gehandicapt zwar durch zwei Krücken, aber stets freundlich, offen und locker. Keine Spur von Überheblichkeit. Wir gehen in den Besprechungsraum, analysieren das Spiel und sprechen über Schalker Phänomene Gegebenheiten und Erscheinungen. Ingo beantwortet unsere kritischen Fragen mit einer herzerfrischenden Offenheit, die manch
einem von uns aus der Seele spricht. Er ist aber loyal genüber Trainer und Mitspielern,
„sforzat“ nicht und legt Wert auf die Feststellung, daß jeder Spieler eine eigene Meinung haben  darf.



Ingo und  Matthias

Auf meine Frage, ob er den Elfer in Mailand gezielt oder genagelt hat, erklärt er uns, daß er sowohl die Ecke, als auch die Hämmerung geplant hat. Das Gefühl danach sei übrigens auch nicht schlecht gewesen... Am Schluß dieses interesannten Meetings bitten wir Ihn, unserem Coach nicht mehr sooft die Meinung zu sagen, damit er bald wieder spielt. Unserer Elfmeter- bzw. Freistoß-Quote würde das sicher nicht schlecht zu Gesichte stehen und Olaf müsste nicht immer 60 Meter laufen, um die Ecken zu schießen. Er ist schließlich auch nicht mehr der Jüngste. Noch ein paar Bilder, dann geht’s zurück gen Süden. Wir haben einen eindrucksvollen Nachmittag erlebt, der uns fast vergessen läßt, daß wir am Freitag nicht an die Tabellenspitze geklettert sind, aber wir wären nicht Schalker wenn wir nicht weiterhin an den Erfolg unserer Manschaft glaubten. Denn schließlich steht noch eine Revanche gegen Inter aus... In diesem Sinne weiterhin viel Fun bei Schalker Auftritten aller Art.   

Mit blau-weißem Gruß
Euer Matthias

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 27. Mai 2010 um 09:22 Uhr